Thayatalbahn

Heute ist diese Bahn, wie viele andere Bahnen im Waldviertel auch, leider stillgelegt und steht vor dem möglichen Teilabriss. Früher war sie allerdings von Bedeutung, da sie eine grenzenüberschreitende Bahn im Norden war.

Eigentlich wollte man Waidhofen an der Thaya an die Franz-Josefs-Bahn anschließen, die Bevölkerung war allerdings dagegen. Erst als man die Vorteile der Öffis erkannte (was bald geschah), wurde diese Linie gebaut. Sie führt von Schwarzenau (wo auch die Franz-Josef-Bahn durchfährt und die Zwettler Bahn anfängt) nach Zlabings (Slavonice, Lokalbahn Wolframs–Teltsch). In Auftrag wurde sie 1890 gegeben, 1891 war die Bahn bis Waidhofen an der Thaya fertig und wurde offiziell eröffnet. Die Verlängerung bis Zlabings (und Dačice bis nach Kostelic u. Jihlavy und weiter) wurde erst 1903 in Betrieb genommen.

In den 50er-Jahren wurden die Geleise von Fratres bis zur Staatsgrenze aufgrund des Eisenen Vorhangs abgetragen. Und 1986 wurde der Verkehr zwischen Waidhofen an der Thaya und Fratres wegen Unrentablität eingestellt und durch eine Autobuslinie ersetzt (der Güterverkehr wurde trotzdem bis Waldkirchen/Thaya geführt). Mit dem Fall des Eisenen Vorhangs stellte sich die Frage der Wiederaufnahme der Bahn. Das wollten sowohl die Tschechen als auch die Bevölkerung, bloß der ÖBB gefiel dieser Vorschlag gar nicht, wegen der hohen Summe zur Wiederinbetriebnahme von in Euro umgerechnet zirka
3,85 Millionen. Deshalb wurde Ende 2002 (noch vor der vollständigen Einstellung der Linie) der „Verein Neue Thayatalbahn“ gegründet, welcher sich für die Reaktivierung der Bahn einsetzt.

Die Bahn war also noch zwischen Schwarzenau und Waidhofen in Betrieb, der Güterverkehr ging noch bis Waldkirchen. Nur Fratres und die Verbindung nach Zlabings fehlten, sonst war alles erhalten. Nach langem Bitten um die vollständige Wiederaufnahme, sagte der Niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll schließlich am 7.4.2006 im Stadtsaal von Waidhofen: „… ich habe euch ein Geschenk mitgebracht, die Thayatalbahn wird reaktiviert, die entsprechenden Verträge mit Tschechien wurden unterzeichnet …“ Doch Weiteres passierte nicht.

Da die ÖBB die Strecke sowieso einstellen wollte, nützte sie die Chance, als durch Hochwasser 2006 die güterbefahrene Trasse zwischen Oberedlitz und Merkengersch beschädigt wurde. Sie wurde bis jetzt nicht wieder hergerichtet.

Ab dem 12. Dezember 2010 wurde nun auch der Verkehr am einzigen befahrenen Stück von Schwarzenau bis Waidhofen an der Thaya eingestellt.

Jetzt stellt sich die Frage, ob die Verbindung wieder aufgenommen werden soll, oder ob die Geleise abgetragen und durch einen Radweg (Thayatalrunde) ersetzt werden sollen (wie auch bei der Lokalbahn Göpfritz-Raabs geplant). Das ist leider das Naheliegeste, da die Bahn nun offiziell der NÖVOG gehört, das heißt, was die NÖVOG will, wird gemacht, egal was die Bevölkerung sagt. Zuerst waren auch die Bürgermeister gegen den Radweg, mittlerweile aber wurden sie von der Landesregierung offensichtlich umgestimmt. Es war der Wunsch des Landes NÖ, die Eisenbahn aufzugeben. Deshalb führte die Bürgerinitiative eine grenzüberschreitende Unterschriftenaktion durch, bei der sich binnen weniger Wochen 1300 Unterzeichner fanden. Die Unterschriftenaktion richtete sich persönlich an Pröll und andere Politiker.

Wie hoch die Kosten für den Radweg sein werden, konnte noch nicht bestimmt werden. Auf jeden Fall mehr als 6 Millionen Euro!

Übrigens würde sich der Güterverkehr bei Reaktivierung der Strecke auch bald wieder rentieren, da der Tschechische Holdtransportdienst „Stora Enso“ sofort auf die Thayatalbahn umsteigen würde!

Es liegt nur am Land NÖ!

Dieser Artikel erschien im Eisenbahneisenbahnmagazin.
Text: Nikolaus S.

Stationen:
Schwarzenau im Waldviertel (Franz-Josefs-Bahn, Zwettler-Bahn)
Windigsteig
Kottschallings
Waidhofen an der Thaya
Kleineberharts
Thaya
Oberedlitz
Merkengersch
Dobersberg
Radlmühle
Waldkirchen an der Thaya
Gilgenberg
Fratres
Staatsgrenze Österreich/Tschechien
Slavonice (Zlabings, von Kostelec u Jihlavy)

Allgemein:
Sreckennummer:
17601

Kursbuchnummer:
831

Länge der Strecke:
41,5km

Spurweite:
1435mm (Normalspur)

Stromsystem:
nicht Elektrifiziert

weiteres siehe Wikipedia

Siehe auch dieses Video:http://ichmachpolitik.at/embed_q_id/1240

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6 Antworten zu Thayatalbahn

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